Bitte beachtet: Links zu allen Freedom Essays in englischer Originalsprache, sind am Ende dieses Essays inkludiert. Öffnet ein beliebiges Essay um es zu lesen, zu drucken, herunterzuladen, zu teilen oder anzuhören (als Podcast). Was folgt ist eine deutsche Übersetzung von Freedom Essay 6.

 

 

Das ist Freedom Essay 6

 

Wunderbar aufschlussreiche Diskussion zwischen dem führenden australischen Rundfunksprecher Brian Carlton
und Jeremy Griffith

 

Aufgenommen in Sydney, 15. Oktober 2014

 

Brian Carlton ist einer der höchst angesehenen Radiosprecher Australiens und entwickelt, produziert und moderiert seit über drei Jahrzehnten Hauptabendnachrichten und Talk-Radio-Sendungen auf den Top-Radiosendern der Nation. Schaut euch an, wie Brian mit Jeremy diese bahnbrechende Erklärung des menschlichen Zustands, die in FREEDOM enthalten ist, diskutiert.

 

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Dieses Video erscheint auch als Video 6 der Einleitungsserie von Videos oben auf unserer Homepage unter www.humancondition.com.

 

Das Transkript dieses Videos

 

Brian Carlton: Mein Name ist Brian Carlton. Ich bin ein australischer Journalist, Kommentator und Rundfunksprecher und ich bin hier mit dem Biologen Jeremy Griffith, um sein in Kürze erscheinendes Buch zu diskutieren, IS IT TO BE Terminal Alienation or Transformation For The Human Race? [SOLL ES SEIN Unheilbare Entfremdung oder Transformation für die menschliche Rasse?] [jetzt mit dem Titel FREEDOM: The End Of The Human Condition [FREIHEIT: Das Ende des menschlichen Zustands]].

Bevor ich eine Vorabkopie von FREEDOM erhalten habe, war mir Jeremys Arbeit bereits bekannt. Tatsächlich habe ich Jeremy in meiner Radiosendung zu einem seiner früheren Bücher interviewt, und ich erinnere mich, dass, als ich das Interview für Anrufe der Zuhörer geöffnet hatte, es derart großes Interesse gab, dass das Interview für fast zwei Stunden lief, ohne zu übertreiben. Ich weiß, dass Jeremy eine ähnliche Reaktion auslöste, als er in der berühmten Radioshow von Caroline Jones, The Search for Meaning [Die Suche nach dem Sinn], sprach; das Interview löste damals eine der größten Reaktionen aus, die Caroline jemals hatte, in ihren vielen, vielen hunderten Sendungen, die sie im Laufe der Jahre machte. [Ihr könnt euch Jeremys Interview mit Caroline Jones unter www.humancondition.com/jeremy-carolinejones anhören.] Ich denke, die Reaktion wurde nur von einem Interview übertroffen, das sie mit einer Nonne in Südamerika führte. Ich weiß auch, dass Jeremys Buch aus 2003, A Species in Denial [Eine Spezies in Verleugnung], ein Bestseller in Australasien war. Ich weiß das, weil ich eines gekauft und gelesen habe, mehrere Male.

Ich freue mich also schon sehr auf unsere Diskussion.

Jeremy, erzähl mir von diesem neuen Buch, das du geschrieben hast.

 

Jeremy Griffith: Zunächst einmal, das ist der „Spoonman“ [„Löffelmann“] – für viele, viele Jahre war Brian der Showmaster einer populären Radiosendung auf Triple M in Sydney, wo er liebevoll als „Spoonman“, der professionelle Rührer, bezeichnet wurde, er war der Wolfman Jack der Luftwellen Australiens. Das ist also eine kleine Vorgeschichte darüber, wer Brian wirklich ist.

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Jeremy Griffith: Wenn Jugendliche etwa 12 Jahre alt sind, beginnen sie die Unvollkommenheiten des Lebens um sich herum zu sehen und sie beginnen damit zu kämpfen und tiefgehend darüber nachzudenken, und sie erkennen bald, dass Erwachsene aus irgendeinem Grund nicht darüber reden wollen und sie daher auf sich alleine gestellt sind. Tatsächlich beginnen sie also mit etwa 12 zu versuchen, den menschlichen Zustand zu verstehen. Im Alter von 9 Jahren schlagen Kinder wegen der Unvollkommenheiten der Welt wild um sich und sie sind frustriert, doch sie ändern sich bald. Mit etwa 12 von der Grundschule in die Hauptschule bzw. ins Gymansium zu kommen [bzw. mit etwa 10 im deutschsprachigen Raum], ist tatsächlich eine Anerkennung davon, dass eine echte psychologische Veränderung in diesem Alter stattfindet. Davon, in der späten Kindheit frustriert wegen der Welt wild um sich zu schlagen, was zu Bullying und so weiter führt, den sogenannten „Noisy Nines“ [„lärmende Neunjährige“], verändern sie sich plötzlich zu nüchternen, zu tiefst nachdenklichen Jugendlichen, und das ist die Zeit, in der sie zur Hauptschule bzw. ins Gymnasium gehen. Das Gehirn von Kindern verlagert sich davon, zu erkennen, dass frustriert von den Unvollkommenheiten des Lebens wild um sich zu schlagen, einen nirgendwo hinbringt, letztendlich wird man damit aufhören müssen und versuchen zu verstehen, warum die Welt unvollkommen ist. Also beginnen sie damit, tiefgehend nachzudenken, sie verändern sich von einem protestierenden Extrovertierten zu einem nüchternen Introvertierten.

 

Drawing by Jeremy Griffith of a boy pushing another boy.

Die „Noisy Nines“: Bullying ist ein Beispiel für einen 9-jährigen, der wegen der Unvollkommenheiten der Welt wild um sich schlägt

Drawing by Jeremy Griffith of a despairing adolescent, alone, head in hand, thinking deeply about the human condition.

Drawing by Jeremy Griffith © 1991-2011 Fedmex Pty Ltd

12-jähriger, nüchterner, zu tiefst nachdenklicher Jugendlicher

 

Mit ungefähr 12 also, wenn sie in die Hauptschule bzw. ins Gymnasium gehen, beginnt der Versuch, den menschlichen Zustand, die Unvollkommenheit menschlichen Lebens, zu verstehen, und die Suche vertieft sich. Sie denken weiter darüber nach, sie haben gelernt, dass die Welt der Erwachsenen nicht einmal darüber reden möchte und jeder vorgibt, dass alles gut ist, während sie ganz klar sehen können, dass es nicht so ist. Wenn sie etwa 14 oder 15 werden, beginnt etwas Ernstes zu passieren, sie beginnen damit, den menschlichen Zustand in sich selbst zu entdecken, die Unvollkommenheiten in ihnen selbst, dass dort Ärger, Gemeinheit und Selbstsüchtigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen ist, weil sie immer noch komplett ehrlich denken, sie stellen sich immer noch dem Problem des menschlichen Zustands. Während sich dieses Denken vertieft, erreichen sie diesen Höhepunkt der Krise, normalerweise mit etwa 15 oder so, wenn sie schließlich den menschlichen Zustand in sich selbst entdecken – sie versuchen sich dem zu stellen und zu versuchen, sich dem menschlichen Zustand ohne ihn zu verstehen zu stellen, ist selbstmörderisch deprimierend. Sie begeben sich also in diese Krise, die ich „Resignation“ genannt habe, in der sie resignieren und danach in Verleugnung des menschlichen Zustands leben [siehe Freedom Essay 30]. Sie werden zu Eskapisten, leben ein oberflächliches Leben, sie wollen nie mehr in die Nähe dieses dunklen Winkels gehen. Es ist sehr selten, dass man eine Beschreibung eines Kindes findet, das das gerade durchmacht, weil die Welt der Erwachsenen, wie ich sagte, bereits resigniert hat, sie wollen also nicht mehr zuhöhren.

Es gibt allerdings einige erstaunliche Beschreibungen von Kindern, die die Resignation durchlaufen, und das ist möglicherweise eine der besten. Sie stammt vom amerikanischen Pulitzer-Preisträger und Kinderpsychiater Robert Coles und er beschreibt diese Begegnung, die er mit einem Jugendlichen hatte, der durch diesen Höhepunkt der Krise der Resignation geht und ich denke, es wird jedem möglich sein, sich damit zu identifizieren:

„Ich spreche von der Einsamkeit, die viele junge Menschen empfinden…​Es ist eine Einsamkeit, deren Grund eine verbreitete Fehleinschätzung ist…​Ich erinnerte mich an einen Fünfzehnjährigen, der gerne herumalberte, sich aber verschloß, den Kopf schüttelte und sich weigerte, etwas zu sagen, sobald die Rede auf sein eigenes Leben kam. Er ging nicht mehr zur Schule…​In seinem Zimmer hörte er stundenlang hinter verschlossener Tür Rockmusik…​Schließlich fragte ich ihn, wem sein Kopfschütteln gelte. Er antwortete: ‚Niemanden.‘ Ich zögerte, bevor ich fragte: ‚Nicht dir selbst?‘ Jetzt sah er mich zum erstenmal lange an. ‚Warum sagen Sie das?‘ [fragte er]…​Also beschloß ich, die Frage nicht auf die übliche Weise zu beantworten [im Grunde genommen „auf die übliche Weise“, das, was der menschliche Zustand wirklich ist vermeiden]…​Statt dessen hörte ich mich mit leichtem Unbehagen sagen: ‚Das habe ich auch mitgemacht. Ich erinnere mich daran, wie ich das Gefühl hatte, mit niemandem sprechen zu können‘…​Der junge Mann starrte mich an und sagte nichts. Als er ein Taschentuch herauszog und sich über die Augen wischte, bemerkte ich, daß sie sich mit Tränen gefüllt hatten.“ (Moralische Intelligenz oder Kinder brauchen Werte, 1996, Übers. U. Bischoff, 1998, S. 155-157 von 207).

Nun, was ganz offensichtlich passiert war, war, dass der Junge Tränen in den Augen hatte, weil Coles ihn mit ein wenig Anerkennung und Verständnis dessen erreicht hatte, womit er zu kämpfen hatte; Coles hatte ein wenig Ehrlichkeit dafür gezeigt, was der Junge sehen konnte und womit er sich quälte, nämlich das Grauen und die Heuchelei menschlichen Verhaltens, seines eigenen Verhaltes eingeschlossen.

Das ist also eine außergewöhnliche kleine Beschreibung davon, was bei der Resignation passiert. Jugendliche sperren sich selbst in ihren Zimmern ein, er ist in sich selbst verloren, er kann sich nicht mit der Welt identifizieren, die Welt zeigt keine Anerkennung dafür, womit er kämpft, er stirbt eine Million Tode in sich selbst.

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Es steht noch viel mehr über den Prozess der Resignation, den Kinder durchmachen müssen, in meinem Buch [siehe Kapitel 2:2 in FREEDOM], aber das Wesentliche daran ist, dass es enthüllt, wie furchterregend das Thema des menschlichen Zustands wirklich ist. Diese Kinder versuchen tatsächlich sich dem zu stellen und können es nicht. Es führt lediglich zu selbstmörderischer Depression, wo sie von dieser psychologischen Klippe springen müssen [bezugnehmend auf J. D. Salingers Roman Der Fänger im Roggen aus dem Jahr 1951, über den ihr in den Absätzen 113-118 von FREEDOM und F. Essay 30 lesen könnt], dazu zu resignieren, in Verleugnung des menschlichen Zustands zu leben. Also, das Problem, das mein Buch hat, ist, dass es Menschen wieder in Kontakt mit dem menschlichen Zustand bringt, dem sie sich psychologisch nicht nähern wollen.

 

Front cover of the book ‘Catcher in the Rye’ with a solitary figure in a red cap standing on a cliff made of apartments

 

Brian Carlton: Das resoniert mit mir. Ich war dieser junge Mann. Ich habe mich in meinem Zimmer eingesperrt und Musik gehört, die mit meinem Gefühl der Entfremdung resonierte, und zur selben Zeit habe ich alles gelesen, was ich zwischen die Finger bekommen konnte, im Glauben, dass wenn ich nur herausfinden würde, warum niemand darüber spricht, ich dazu in der Lage wäre es zu verstehen. Also ja, es resoniert absolut mit mir, Musik zu hören und zu lesen, eingesperrt in meinem Zimmer für ein paar Jahre als junger Teenager. Es war eine sehr reale Sache.

 

Jeremy Griffith: Nun, ich denke viele Leute können sich daran erinnern und das ist so wertvoll, das ist der Vorteil daran, die Erklärung der Resignation zu verwenden [in Kapitel 2:2 von FREEDOM], weil Menschen sich wirklich daran erinnern können, das durchgemacht zu haben, und sobald sie wissen, dass sie da durch gegangen sind, haben sie diesen Anker, zu wissen, dass es ein furchterregendes Thema ist.

 

Brian Carlton: Es ist eine lebensverändernde Erfahrung, das ist es wirklich. Das war es jedenfalls für mich.

 

Jeremy Gríffith: Nun, das ist es was passiert, wenn man jemandem von Resignation erzählt, es hilft, weil Menschen sich dann zum ersten Mal nach langer Zeit mit dieser Erfahrung verbinden.

 

Brian Carlton: Nun, ich wünschte, ich hätte damals gewusst, was ich heute weiß.

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Brian Carlton: Nun, was du gesagt hast, ist ziemlich furchterregend, aber ich erinnere mich, als Kind Rockmusik gehört zu haben und da gibt es ein bestimmtes Lied, das es mir angetan hatte. Die Band „Midnight Oil“, ich glaube das Lied heißt Only the Strong [Nur die Starken], und die ersten Zeilen in diesem Lied lauten, „When I’m locked in my room, I just want to scream [Wenn ich in meinem Zimmer eingesperrt bin, möchte ich einfach nur schreien“]. Und als junges Kind, das durch diesen Prozess der Resignation geht, hat es zu mir gesprochen, es sagte zu mir, dass da zumindest ein anderer Mensch auf Erden ist, der das durchgemacht hat, was ich gerade durchmache und das sprach für mich Bände, nur ein paar Zeilen Musik waren alles, was es brauchte, um mich ein bisschen besser darüber zu fühlen, als ich es tat.

 

Jeremy Griffith: Ja, jemand, der dich mit etwas Ehrlichkeit erreicht.

 

Brian Carlton: Absolut.

 

Jeremy Griffith: Genau wie Coles Situation und wie in Der Fänger im Roggen. Das ist, wie einsam es ist, da durch zu gehen und, folglich, wie unehrlich die Welt der Erwachsenen ist. Es ist alles „resigniert“ und niemand spricht irgendeine Wahrheit. Du findest ein kleines bisschen Wahrheit und schon klammerst du dich daran und es rettet dein Leben.

 

Brian Carlton: Stimmt, und in der Tat ist es genau das, was passiert ist. Ich ging davon, schrecklich entfremdet von der Welt zu sein, dazu über, nur ein kleines bisschen weniger entfremdet zu sein, was enorm geholfen hat.

 

Jeremy Griffith: Also, das ist unglaublich.

 

Brian Carlton: Alleine wie oft ich über unsere Unterhaltung nachdenke, die wir über dein früheres Buch Beyond the Human Condition [Jenseits des menschlichen Zustands] geführt haben. Sie ist mir eine lange Zeit im Kopf geblieben. Ich sehe die ganze Zeit Dinge und ich verwende deine Erklärung, um mir zu helfen, die Verleugnung zu sehen. Und ich habe Unterhaltungen mit Menschen über die enorme Menge der Verleugnung, die vor sich geht, und ihre Augen werden glasig und sie sagen, „Worüber redest du?“ Also, unterschätze nicht das Ausmaß davon, welche Auswirkung deine früheren Arbeiten auf mich hatten, in Bezug darauf, was ich über das denke, was ich sehe, wie ich Verhalten interpretiere. Ich habe die Fähigkeit entwickelt, dazu in der Lage zu sein, in den ersten fünf oder sechs Sekunden in einem Gespräch am Telefon herauszufinden, wie ein Mensch ist [in meinen Talk-Radio-Sendungen] und ich konnte erahnen, warum sie sagten, was sie sagten und ich hörte den Subtext in ihren Worten. Es war enorm wertvoll als Rundfunksprecher, wenn du viele, viele Anrufe von Menschen entgegennimmst, die grundsätzlich Fremde für dich sind, und sie beginnen dir ihre Lebensgeschichte zu erzählen und du wahrnehmen kannst, worüber sie sprechen und wie sie darüber sprechen. Und vieles davon kam von deinen Büchern, weil du in der Lage bist, die Straße hinunter zu gehen und die Verleugnung in Menschen zu beobachten. Du kannst die Seelen beobachten, die nicht glücklich mit sich selbst sind.

 

Jeremy Griffith: Du hast endlich Einblick in das bekommen, was passiert.

 

Brian Carlton: Ja.

 

Jeremy Griffith: Du hast das Werkzeug bekommen, um endlich Sinn daraus zu machen.

 

Brian Carlton: Aber es funktioniert, das ist die anderen Sache. Wenn man dein Buch liest, klingt es esoterisch und irgendwie „über drüber“, doch die Art und Weise, wie es in das alltägliche Leben einsickert und sich dabei auf alltägliche menschliche Beziehungen und Erlebnisse übertragen lässt, ist enorm wertvoll gewesen. Ich sage das nicht, um dir „in den Hintern zu kriechen“, das mache ich wirklich nicht. Es hat einen gewaltigen Unterschied gemacht.

 

Jeremy Griffith: Das ist der Vorteil, wenn man an dieser Information dranbleibt, obwohl sie sehr konfrontierend sein kann. Aber ja, diese Gedichte und Lieder [siehe F. Essay 30] fangen die Wahrheit über den Zustand der Welt ein und davon, was der nicht resignierte Verstand von Jugendlichen sehen kann.

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Brian Carlton: Ich wünschte, ich hätte dein Buch als 15-jähriger gehabt. Das tue ich wirklich. Ich habe ziemlich dicke, massive Bücher mit 14, 15 gelesen, aber ich wünschte, ich hätte dieses gehabt. Es hätte mir zwei oder drei Jahre Angst erspart, und vermutlich weitere sechs oder sieben Jahre, in denen ich versucht habe herauszufinden, was ich mit meinem Leben anfangen wollte, und wie sehr ich tatsächlich alles verändern wollte. Ich bin kein „problembasierter Kreuzritter“ als solcher, aber es gibt so vieles um einen herum, das repariert gehört und ich hatte diese Begabung bzw. Fähigkeit, einen Weg zu finden, wie wir Dinge besser machen könnten. Es ist mein Kampf, es ist mein persönlicher Kampf. Ich lies mich nicht davon besiegen und wenn ich nicht ganz akzeptieren kann, wie die Welt ist, dann werde ich nicht herumsitzen und nichts tun. Ich werde alles, was mir zur Verfügung steht, verwenden, was in meinem Fall ein Mikrofon und ein Transmitter waren, um zu versuchen und Menschen wenigstens dazu zu bringen, über diesen Prozess der Veränderung nachzudenken. Aber aufgeben war niemals eine Option, sagen wir es mal so.

 

Jeremy Griffith: Nun Brian, wir nennen Menschen wie dich „Schiffe auf See“, Menschen, die nicht richtig resigniert haben, Menschen, die nicht an einem Hafen angelegt haben, als der Sturm aufzog [siehe F. Essay 30]. Diese Entscheidung zu treffen ist qualvoll, weil du dann für immer von der Unvollkommenheit des Lebens herumgestoßen wirst.

 

Brian Carlton: Aber es ist ehrlich, Jeremy. Ich lebe mein Leben ehrlich mit mir selbst und ich schlafe Nachts tief und fest. Ich bin glücklich mit meinen Entscheidungen, so schwierig sie auch waren und sind. Ich bin persönlich glücklich mit den Entscheidungen, die ich damals getroffen habe. Keine einfachen Entscheidungen, sehr schwierig.

 

Jeremy Griffith: Aber es macht dich zu einem Ketzer, mit all dem Schmerz, den es mit sich bringt. Wie du vorhin erzählt hast, du hast versucht in der Geschäftswelt mitzuspielen, versucht an vorderster Front die Kiste aufzurütteln.

 

Brian Carlton: Ich habe immer Probleme mit Menschen gehabt, die mir sagen, wie ich denken sollte und was ich sagen sollte und welche Meinungen ich haben sollte. Das sind sehr kostbare Dinge für mich und ich möchte, dass meine mir gehören und ich habe versucht, das so gut ich konnte zu tun. Also, ich ärgere mich wirklich, von irgendjemandem gesagt zu bekommen, einer bestimmten Linie zu folgen und das habe ich, seit ich ein Kind war. Frag meine Mutter, sie wird dir sagen, dass es ungefähr im Alter von acht hieß, „Nein, ich mache es auf meine Art, weil ich denke, das meine Art besser ist“, und wenn du eine Erklärung dafür haben möchtest, warum meine Art besser ist, werde ich sie dir gerne geben, überhaupt kein Problem! Aber es schien mir der einzige Ausweg zu sein, so ehrlich mit mir selbst zu sein, wie ich es konnte.

 

Jeremy Griffith: Das is das eigenartige Paradoxon des menschlichen Zustands, weil wir resignieren, aber dann zahlen wir dafür einen so hohen Preis, werden solche Schwindler und so unehrlich, weil wir uns die Dinge nie wieder wahrheitsgemäß ansehen. Wir sind verloren in einem See voller Schwachsinn, wirklich, von da an. Wir wussten, dass wir an einen Punkt kommen würden, nicht lange danach, an dem wir uns wünschen, wieder zurück zu etwas Ehrlichkeit gehen zu können. Also, wenn du nicht ganz loslässt und die Fenster sozusagen einen Spalt weit offen lässt, dann spricht diese Information zu diesem Teil von dir, der nicht losgelassen hat. [Professor] Harry Prosen [der die Einleitung zu FREEDOM geschrieben hat] ist auch so. Er hat die Fenster nicht richtig geschlossen und hat sein ganzes Leben lang weiter nach etwas Wahrheit gesucht. Als sie dann in Form der Human Condition Documentary Proposal [ein Vorschlag aus dem Jahr 2004 für eine Dokumentation, in der Jeremy einen Überblick über sämtliche biologischen Haupterklärungen, die in seinen Büchern enthalten sind, gibt] daherkam, hat Harry das gelesen und es einfach geliebt, weil das, was er las, zu diesem Teil von ihm selbst gesprochen hat, der nicht resigniert hatte und es hat ihn wieder zum Leben erweckt, und es war einfach so bestätigend. Es ist wie das, was Coles und Holden Caulfield in Der Fänger im Roggen passierte.

 

Brian Carlton: Absolut, und noch einmal, ich kann mich derart intensiv mit dieser Geschichte identifizieren, er hätte genau so gut von mir sprechen können. Ich war dieses Kind und ich habe vieles von vielen verschiedenen Disziplinen gelesen. Zuerst habe ich mich an den verschiedenen Religionen versucht, um zu sehen, ob dort irgendwelche Antworten waren, und für mich waren da keine. Dann die Wissenschaft, die ein paar Antworten hatte, aber letztendlich reduktionistisch war. Ich habe mich mit Philosophen und einigen ganz schön eigenartigen Dingen beschäftigt, beim Versuch herauszufinden, ob irgendjemand eine Antwort auf den menschlichen Zustand hatte, ob es irgendeine Art zusammenhängender Beschreibung dafür gab, warum ich mich so fühlte, wie ich mich fühlte, und das Einzige, was dem auch nur nahe kam, waren deine Bücher.

 

Jeremy Griffith: Wir haben im Vorfeld miteinander gesprochen und du hast gesagt, „Jeremy, wenn du ein Buch für Kinder hättest, während sie durch die Resignation gehen, würde es ihr Leben retten, sie sind dein natürliches Publikum, weil sobald du mit Erwachsenen sprichst, die resigniert haben, sind sie taub dem gegenüber.“

 

Brian Carlton: Ja, während meines ganzen Lebens als professioneller Kommunikator bzw. Rundfunksprecher habe ich gesehen, wie sich der Schleier der Verleugnung über die Augen der Leute legt, sobald man ihnen die Wahrheit über irgendetwas nahebringt. Sie wollen es wirklich nicht wissen. Ich dachte die frühe Jugendzeit, 13, 14, 15, ist ungefähr die richtige Zeit, um in der Lage zu sein, etwas von dieser frühen Verleugnung zu durchbrechen und sie zu erreichen, bevor sie eine so dicke Mauer aufbauen, hinter der sie sich dann einsperren und nicht mehr aufmachen wollen; es ist einfacher sich dort hinter dieser Mauer zu verstecken. Wenn du sie erreichst, bevor sie beginnen diese Ziegel einzuzementieren, wäre das dein Generationswechsel, denke ich. Es werden Kinder dieses Alters sein, die auf das ansprechen, worüber du redest, weil sie es durchmachen.

 

Jeremy Griffith: Es wird großartig sein, wenn wir tatsächlich eine Präsentation darüber unseren resignierenden Kindern geben können, bevor sie über Salingers Klippe springen und bevor sie diese Ziegel einzementieren, wie du das so treffend gesagt hast. Es wird sehr, sehr wertvoll sein.

 

Brian Carlton: Das stimmt.

 

Jeremy Griffith: Aber wir müssen erst in der realen Welt Fuß fassen, der Welt der Erwachsenen, bevor wir etwas echte Unterstützung dafür bekommen können. Also, das ist das große Problem, dem dieses Buch gegenübersteht, du hast das ganze Dilemma sowie das, womit wir es zu tun haben, artikuliert. Du hast auch die Schönheit davon artikuliert, dass endlich irgendwo etwas Wahrheit in dieser Welt auftaucht, die zu dem Teil von uns selbst spricht, den jeder ausgeblendet hat. Das ist das ganze Rätsel, wie kommen wir durch diese einzementierten Ziegel und beginnen die Welt in die andere Richtung zu bewegen? Der Punkt dieses Liedes der Heavy-Metal-Rockband „With Life in Mind“ [worüber ihr in Absatz 229 von FREEDOM und in F. Essay 30 lesen könnt], genau wie vom Lied von „Midnight Oil“, ist, dass es etwas Wahrheit über den Zustand der Welt spricht.

 

Brian Carlton: Da sind viele Beschreibungen der Entfremdung in der Kunst, in der Musik, in der Poesie. Ich frage mich oft, ob diese Menschen, die diese Gebiete entdecken, besser verstehen werden worüber du sprichst, als, etwa, ein starr wissenschaftlich trainierter Verstand.

 

Jeremy Griffith: Nun, der Trick wirklich guter Kunst, Poesie, Musik oder Literatur ist es, auf den menschlichen Zustand anzuspielen, Leute so nahe, wie sie gehen können, an die Wahrheit heranzubringen, ohne sie jedoch wirklich zu konfrontieren. Weil ohne die Erklärung des menschlichen Zustands, die Verteidigung dafür, ist es einfach zu viel gewesen, um damit zurecht zu kommen.

 

Brian Carlton: Es ist fast eine Spiegelung, nicht wahr; sie spiegeln den menschlichen Zustand wider, aber machen nichts, um zu erklären warum es so ist.

 

Jeremy Griffith: Ja, das ist richtig, weil bis man es erklären kann, kann man Menschen nicht wirklich zu nahe ans „Feuer“ bringen. Du kannst dich nur in die Nähe herantanzen, wie jede gute Literatur das macht. Zum Beispiel, ich wäre nicht überrascht, wenn Robert Coles den Pulitzer-Preis nur wegen dieses einen Absatzes [oben enthalten] gewonnen hätte. Er ist derart ehrlich und er ist derart wertvoll. Er ist ein Kinderpsychiater und er hat ein Buch geschrieben, das die Wahrheit herauslässt und das ist einfach so wertvoll. Warum wurde eines von Francis Bacons Triptychen, das 2013 für 142,4 Milllionen US-Dollar verkauft wurde „das teuerste Kunstwerk, das jemals bei einer Auktion verkauft wurde und dabei den vorherigen Rekord gebrochen hat, der im Mai 2019 aufgestellt wurde, als sich eine Version von Edward Munchs Der Schrei [ein weiteres außergewöhnlich ehrliches, den menschlichen Zustand enthüllendes Gemälde] für 119,9 Millionen US-Dollar verkauft hatte“ (TIME, 25. Nov. 2013; Übers. WTM Austria, 2019)? [siehe Absatz 124 von FREEDOM] Weil sie die Wahrheit sprechen: das sind wir, das ist, wie entfremdet und tot wir wirklich sind. Also, großartige Kunst, Literatur, Poesie oder Musik ist großartig, weil sie sich der Wahrheit annähert. Aber nochmals, du kannst nicht direkt dorthin gehen, bevor wir die Verteidigung für uns selbst gefunden haben.

 

A detail from ‘Study for self-portrait’ by Francis Bacon, 1985-86, of a grossly contorted, twisted human torso and head.

Detail von Francis Bacons
Studie für ein Selbstporträt, 1976

‘The Scream’ by Edvard Munch, 1893, a dream like painting of a man holding his head with a horrified facial expression.

Edvard Munchs Der Schrei, 1895

 

Brian Carlton: Es ist beängstigend, wenn diese kleine innere Stimme hervorkommt und sagt, „Ich erinnere mich an das, ich erinnere mich daran, wie es war“, und du sagst, „Geh weg, geh wieder weg, sei bitte einfach still“.

 

Jeremy Griffith: Ja, ich grabe diesen Moment der Resignation aus, weil jeder, wie du, sich daran erinnern kann. Das verbindet Menschen also wieder mit diesem furchtbaren Thema des menschlichen Zustands und dann habe ich einen Fuß in die Tür bekommen, um das ganze Rätsel des menschlichen Zustands zu erklären und zu entpacken.

 

Brian Carlton: Du kannst sehen, warum unser Radio-Interview zwei Stunden dauerte, nicht wahr!

 

Jeremy Griffith: Ich versuche immer wieder, das, worüber wir sprechen, mit dem in Verbindung zu bringen, wo wir waren und ich denke, Scheiße, das ist so gut! Ich möchte meine vorbereiteten Notizen für dieses Interview aus dem Fenster werfen! [Zum Filmteam:] Brian ist eine Legende. Er ist jemand, der für mich wirklich wertvoll ist, weil es ziemlich einsam war, diesen Job zu machen.

 

Brian Carlton: Ich denke oft so über dich nach. Ich denke, wie schaffst du es, das immer weiterzumachen? Du machst einfach weiter und weiter und weiter. Du hast eindeutig einige gleichgesinnte Individuen zusammengebracht, die deine Ideen verstehen und dir beim Wachsen der Sache helfen. Es muss sehr oft ein einsamer, einsamer, einsamer Ort sein.

 

Jeremy Griffith: Wir haben einige wundervolle Menschen, die das unterstützen, weil Menschen können durch diese Verleugnung durchkommen. Sobald du diese Erklärung des menschlichen Zustands verstehst, bist du verteidigt, also bist du dann sicher. Du kannst sicher im Bereich des menschlichen Zustands herumlaufen. Das Problem ist, Menschen durch die Phase des „Taubheitseffekts“ zu bekommen, damit sie anfangen können, es zu hören. [In Video/​Essay 1 und in Kapitel 1 von FREEDOM werden Leser davor gewarnt, dass das Problem des menschlichen Zustands ein Thema ist, dass für uns Menschen derart schwierig zu konfrontieren gewesen ist, dass darüber zu lesen, anfänglich einen „Taubheitseffekt“ verursachen kann, der es schwer macht, das was gesagt wird, auf sich wirken zu lassen und aufzunehmen. Jedoch, durch Geduld und das Anschauen von Videos, in denen Jeremy über das Thema des menschlichen Zustands spricht sowie durch wiederholtes Lesen des Buches, lässt dieser „Taubheitseffekt“ nach, was es erlaubt, die mitfühlenden und immens befreienden Erkenntnise zugänglich zu machen.] Die Leute, die wirklich interessiert wurden, sind jene, die durch den „Taubheitseffekt“ gekommen sind, und die Wahrheit der Erklärung ist ihnen einfach immer mehr und mehr ans Herz gewachsen. Wie du sagtest, es macht einfach immer süchtiger, weil du die Werkzeuge bekommen hast, um alles zu entwirren. Man sieht durch den menschlichen Zustand hindurch und das ist wirklich aufregend, und das wächst immer weiter. Es ist ein langsamer Beginn mit dieser Information, weil da so viele Ziegel in der Wand sind – wir müssen sehr entschlossen und geduldig sein –, aber es hat ein schnelles Ende, weil sobald Menschen diese Information verstehen, werden sie nicht wieder zur Verleugnung zurückkehren wollen. Man kann dieses Wissen nicht wegwerfen. Wenn man weiß, dass man die Schlüssel hat, um das ganze Mysterium davon, was es heißt Mensch zu sein, zu entsperren, dann wächst und wächst es einfach.

 

Brian Carlton: Du wirst unweigerlich auf eigennützige Interessen stoßen. Menschen, die die Idee mögen, dass unser Planet so ist, wie er ist, weil sie, auf welche Weise auch immer, davon profitieren, sei es finanziell oder auf eine andere Weise. Menschen, die den Status Quo aufrechterhalten wollen werden, die Dinge einfach beibehalten wollen, wie sie sind, weil es für sie funktioniert. Du wirst eine Bedrohung für etablierte Religionen sein, du wirst eine Bedrohung für konventionelles Denken über so ziemlich alles sein. All die wissenschaftlichen Disziplinen, zum Beispiel Psychologie, Psychiatrie. Man wird nicht mehr annähernd so viele dieser Disziplinen benötigen, wenn Menschen dieses Verständnis hätten, man wird sie einfach nicht mehr brauchen. Diesem Paradigmenwechsel wird sich aktiv widersetzt werden und ich bin mir ziemlich sicher, du hast das über die letzten paar Jahrzehnte gespürt.

 

Jeremy Griffith: Nun ja, wir haben den größten Verleumdumgssfall in der Geschichte Australiens [zum damaligen Zeitpunkt] gekämpft und gewonnen, und das war gegen Leute, die ein eigennütziges Interesse dafür hatten, in Platons Höhle der Verleugnung zu leben, sie wollten nicht, dass die Wahrheit über uns Menschen herauskommt. Tatsächlich sagten meine Verfolger, „Du beschäftigst dich mit dem persönlich Unausprechlichen, du rüttelst an der Blackbox im Inneren der Menschen und du kannst nicht erfolgreich sein“ (persönliche Unterhaltungen mit Jeremy Griffith, Feb. 1995).

 

Brian Carlton: Es war kurios, dass ABC [Australian Broadcasating Corporation] einen Geistlichen aufstellte, um deine Arbeit zu analysieren. Ich hielt das für merkwürdig. [Brian bezieht sich auf Reverend Millikan, der die Attacke gegen Jeremy und seine Arbeit damals im Jahr 1995 anführte, die zur gerichtlichen Verleumdungsklage führte – siehe F. Essay 56 sowie das Essay über die Verfolgung des WTM unter <www.humancondition.com/persecution>.]

 

Jeremy Griffith: Das Gleiche ist mit Darwin passiert. Bischof Wilberforce stand bei der großen Debatte in Oxford auf und sagte, „War es dein Großvater oder deine Großmutter, die mit einem Affen verwandt war?“ Das war, als Thomas Huxley aufstand und sagte, „Ich wäre lieber mit einem Affen verwandt, als mit einem großen Mann, der seinen Intellekt missbraucht, um die Wahrheit zu verleugnen“ und die Debatte gewann.

[Das Folgende ist eine detailliertere Beschreibung dieser großen Dabatte: Ohne Thomas Huxleys entschiedene Verteidigung von Darwin in der großen Debatte, die 1860 in Oxford stattfand, hätte Bischof Wilberforces erbitterte Verunglimpfung der natürlichen Selektion vermutlich jede ernsthafte Betrachtung von Dawins Idee verhindert, wie diese Beschreibung der Debatte enthüllt: „Der Bischof [Wilberforce, der Bischof von Oxford] sprach eine volle halbe Stunde mit unnachahmlicher Lebendigkeit, Leerheit und Unbilligkeit…Er machte Darwin in schlimmer, und Huxley in wüthender Weise lächerlich, aber Alles in solch süßem Tone, in einer so überzeugenden Weise und in so wohlgesetzten Perioden, daß ich [ein Beobachter im Publikum], der ich geneigt gewesen war den Präsident deswegen zu tadeln, weil er eine Discussion zugelassen habe, die keinem wissenschaftlichen Zwecke dienen könne, ihm jetzt vom Grunde meines Herzens vergab…[Bischof Wilberforce behauptete, dass] Darwin’s Ansichten den Offenbarungen Gottes in der heiligen Schrift widersprächen“ (Charles Darwin, Hrsg. Francis Darwin; Übers. J. V. Carus, 1893, S. 270-271 von 386). „Darwins feuriger junger Champion war der Biologe Thomas Huxley…​Als einen finalen Vernichtungsschlag wandte sich [Bischof Wilberforce] an Huxley. „Ist der Gentelman“, fragte er, „auf der großväterlichen oder großmütterlichen Seite mit einem Affen verwandt?“ Auf seine Füße springend erwiderte der junge Huxley: „Ich würde viel eher auf beiden Seiten meiner Eltern von einem Affen abstammen, als von einem Mann, der seine brillianten Talente dafür nutzt, religiöse Vorurteile zu wecken“. Wütendes Gebrüll kam vom Klerus, Freudenschreie von den Oxford-Studenten. Der Tag war jener Huxleys – und Darwins. All die Zeit lebte Darwin ein einsames Leben in seinem Landhaus in Kent…​[wo] Arbeit aus seiner Studierstube strömte…​was [seine] Kritiker aus Angst einer weiteren „gottlosen Attacke“ auf die Göttlichkeit des Menschen schaudernd [zurückließ]…​Vergebens wurde Darwins Leben auf die moralische Schwäche untersucht, von dem seine Feinde sicher waren, es müsse seinem freien Denken zu Grunde liegen. Alles was sie entdecken konnten, war ein sanftmütiger alter Gefährte, der seine Tage inmitten von Blumen und Kindern verbrachte – seine zwei größten Freuden. Niemals wurde Gott durch eines seiner Worte verleugnet, genausowenig wie die Seele des Menschen“ (Great Lives, Great Deeds [Große Leben, Große Taten], Reader’s Digest, 1966; Übers. WTM Austria 2019, S. 335, 336). Der Widerstand des Establishments war derartig, dass Darwin schließlich folgerte: „Die feindseligen Recensionen sind mir nun so ziemlich zum Überdruß geworden…​Ich kann ziemlich deutlich sehen, daß, wenn meine Anschaung jemals allgemein angenommen werden sollte, dies von Seiten junger emporwachsender und die alten Arbeiter ersetzender Männer geschehen wird“ (Charles Darwin, Hrsg. Francis Darwin; Übers. J. V. Carus, 1893, S. 277 von 386). Nochmals, ihr könnt mehr über die Verfolgung, der Jeremy und seine Arbeit standhalten mussten, dafür den menschlichen Zustand zu adressieren, unter <www.humancondition.com/persecution> lesen.]

Traditionell waren es Menschen der Kirche, die fundamentalistisch in ihrem Denken sind, die nicht versuchen wollten die Dinge zu verstehen. Aber das größte eigennützige Interesse von allen liegt in der Verleugnung. Sobald du zum Ausblenden des Themas des menschlichen Zustands resigniert hast und diese Wand der Verleugnung aufgebaut hast, willst du nicht, dass sie niedergerissen wird.

 

Brian Carlton: Also werden sie versuchen dich zum Schweigen zu bringen.

 

Jeremy Griffith: Das tun sie, sie haben alle möglichen Dinge versucht, also müssen wir, ich und diejenigen, die diese konfrontierenden Erklärungen des menschlichen Zustands unterstützen, in allem was wir tun eigenständig sein. Es ist der einzige Weg, damit wir eine Chance haben können, diese Ideen hinaus zu bringen.

 

Brian Carlton: Eine harte Schlacht, aber eine, die es voll und ganz wert ist.

 

Jeremy Griffith: Das ist richtig, aber psychologisch wissen wir, was wir zu tun versuchen, und das hilft. Wir versuchen die Kurve zu kriegen, der größte Paradigmenwechsel von allen, vom Leben in Verleugnung hin zu einem Leben ohne Verleugnung. Das ist, was Platon beschrieben hat, wenn man Menschen aus der Höhle holt. Er schrieb, „so würde er [der Höhlengefangene] Schmerz an den Augen empfinden und sich abwendend wieder zu jenem hinfliehen, was er anzuschauen vermag [hinfliehen zu all den menschlichen Zustand vermeidenden, unehrlichen Erklärungen für menschliches Verhalten, an die er sich gewöhnt hat], und glauben, es sei dasselbe wirklich deutlicher, als was ihm nun gezeigt werde…​wenn aber…​ihn Jemand mit Gewalt von dort hinwegzöge über den rauhen und steilen aufwärts führenden Pfad [hinaus aus der Höhle der Verleugnung], und nicht nachließe, bis er ihn herausgezogen an das Licht der Sonne [um ihm die wahre Beschreibung unseres menschlichen Zustands zu zeigen], würde er da nicht Schmerzen erdulden und nur mit Unwillen sich fortziehen lassen, und wann er an das Licht käme, dann die Augen voll des Lichtglanzes haben und auch nicht ein Einziges von demjenigen sehen können, was jetzt als wahr bezeichnet wird?“ Bedeutsamerweise fügt Platon dann hinzu, „wenigstens nicht plötzlich…​[denn] Gewöhnung…​dürfte erforderlich sein, wenn er das oben Befindliche sehen soll.“ Er fügt dann weiter hinzu, dass einige der „Gefangenen“ in der „Höhle“ „von ihm [der Person, die versucht, ihnen das Verständnis unseres menschlichen Zustands zu bringen] sagen würden, „er komme in Folge seines Hinaufgehens in die obere Gegend nun mit verdorbenen Augen zurück [sie würden ihn behandeln, als ob er verrückt wäre], und es lohne sich demnach gar nicht des Versuches, nach Oben [hinaus aus der Höhle] zu gehen…​und jenen, welcher Hand anlegen würde, sie loszubinden und hinauf zu führen, würden sie wohl, falls sie ihn ergreifen und tödten könnten, wirklich tödten“ (ca. 360 v. Chr., Der Staat; Übers. K. v. Prantl, 1857). Platon hat also eine faire Warnung gegeben [siehe Video/​F. Essay 11]. Versuche Menschen aus der Höhle zu zerren und du wirst eine Tracht Prügel bekommen. Es ist einfach Teil der Reise. Was mich antreibt, ist meine Liebe für diese andere ehrliche Welt, die so viel besser und so viel wahrer ist. Wie du, du hältst an dem fest, von dem du weißt, dass es wahr ist, gegen einen Tsunami voller Schwachsinn, aber wie du vorhin sagtest, „Was ich liebe ist, dass ich ehrlich bin und ich schätze das über alles“.

 

Brian Carlton: Absolut.

 

Jeremy Griffith: Also, das ist auch was mich antreibt. Ich lebe nur für diese andere Welt, wo wir nicht unehrlich sein müssen und all das Leiden, das daraus resultiert, nicht existiert. Das ist es, was mich zu diesen Verständnissen gebracht hat.

 

Brian Carlton: Als Kommentator zu allen möglichen Dingen, muss ich eine Klarheit des Verständnisses haben, eine Klarheit der Analysen und der einzige Weg, um diese Klarheit zu erreichen, ist schonungslos ehrlich zu sein, auch wenn ich das Ergebnis, das ich erreiche, persönlich beunruhigend oder unheimlich oder entsetzlich finde. Ehrlichkeit, Ehrlichkeit einem selbst gegenüber, ist das Wichtige. Ich kann meinen Job nicht machen, wenn ich nicht ehrlich bin.

 

Jeremy Griffith: Nun, das ganze Buch basiert auf der Prämisse, dass sobald du in Verleugnung lebst, du die Wahrheit nicht mehr finden kannst. Du kannst die Wahrheit nicht mit Lügen finden, es ist einfach grundsätzlich unmöglich. Die einzige Art, wie ich zu diesen Antworten gekommen bin, ist ehrlich zu sein und wenn man nicht in Verleugnung des menschlichen Zustands lebt, kann man auf all diese Wahrheiten, nach denen wir gesucht haben, zugreifen und sie sind so offensichtlich.

 

Brian Carlton: Ja das sind sie, das ist genau richtig. Es ist sehr einfach, es ist nicht schwer. Der Endprozess, die Enthüllung, wenn man so möchte, ist einfach und beruhigend und besänftigend und selbstakzeptierend. Dorthin zu kommen ist der schwierige Teil. Sobald man die Enthüllung hat, kann man geradezu sagen, ihre Klahrheit ist euphorisierend.

 

Jeremy Griffith: All diese Antworten, die ich gefunden habe, benötigten kein schlaues Gehirn, es ist einfach so, dass ich nicht in Verleugnung lebe. Einfach und wahrheitsgemäß zu denken, ist, wie ich diese Antworten gefunden habe und sie liegen da für absolut jeden bereit. Sie sind offensichtlich, wenn man sie nicht vermeiden möchte. Diese Synthese wurde genau daraus produziert, wovon du gerade gesprochen hast. Es sind Enthüllungen in dem Sinne, dass sie darauf gewartet haben, enthüllt zu werden. Alles was du tun musst, ist die Verleugnung abzustreifen und sie werden herausplumpsen. Das ist alles, was ich je getan habe.

 

Brian Carlton: Aber dieser Prozess, der Prozess des Abstreifens der Verleugnung, das ist der schwierige Teil. Sobald man das gemacht hat, ist es relativ einfach von da an, wie ich gefunden habe. Die Antworten werden auffallend offensichtlich, für die Dinge, auf die du als Nächstes einen Blick wirfst. Ich hasse es, das Wort „Offenbarung“ zu verwenden, weil es eine religiöse Konnotation hat, die ich ihm wirklich nicht geben möchte. Es is nicht emotional, nun es ist irgendwie emotional, aber es ist eine intellektuelle Offenbarung. Es ist eine Offenbarung des Verstandes; mein Verständnis davon ist jetzt besser als es zuvor war, ich bin jetzt vollkommener, ich habe ein vollkommeneres Verständnis von mir selbst, von jedem um mich herum, der Gesellschaft im Allgemeinen, der Art wie der Planet funktioniert. Es ist eine Enthüllung! Aber noch einmal, Ich zögere, das in einem religiösen Sinne zu benutzen, es ist eine quantifizierbar andere Sache, aber es hat eine ähnliche Auswirkung auf einen. Man wacht am nächsten Morgen auf und fühlt sich gestärkter, mehr in der Lage dazu, sich mit der Welt auseinanderzusetzen, weil deine Ebene des Verständnisses davon so viel höher ist.

 

Jeremy Griffith: Ja, alles was ich je getan habe, ist mir selbst beizubringen, wie ein Kind zu denken, oder wie ein Stein zu denken, wie ich es nenne. Wenn ich nicht auf die Antwort komme, denke ich nur nicht einfach genug und lasse das Kind, die einfache offensichtliche Wahrheit, nicht heraus. Ich wurde einfach besser und besser darin und wenn man in diesen reinen Zustand kommt und es einfach herauslässt, ist es so offensichtlich, es ist einfach überwältigend. Du denkst, gut, das ist unglaublich! Es ist wie eine Offenbarung, es ist äußerst aufregend. Ich mache nur einen Schritt und ich lerne weiter. So bin ich zu all diesen Erkenntnissen gekommen. Doch wenn man die vollständige Synthese zusammensetzt, indem man dieses Mittel des einfach wahrheitsgemäßen Denkens nutzt, es dann zurück zu den Höhlenbewohnern bringt, dann würden sie, wie Platon sagte, „von ihm [der Person, die versucht, ihnen das Verständnis unseres menschlichen Zustands zu bringen] sagen, „er komme in Folge seines Hinaufgehens in die obere Gegend nun mit verdorbenen Augen zurück [sie würden ihn behandeln, als ob er verrückt wäre], und es lohne sich demnach gar nicht des Versuches, nach Oben [hinaus aus der Höhle] zu gehen…​und jenen, welcher Hand anlegen würde, sie loszubinden und hinauf zu führen, würden sie wohl, falls sie ihn ergreifen und tödten könnten, wirklich tödten“ (Der Staat). In meinem Fall haben sie nicht wirklich versucht, mich zu töten, wir leben in zivilisierteren Zeiten, aber sie haben alles getan, was sie tun konnten, um mich zu zerschmettern und vom Erdboden verschwinden zu lassen.

Also, alles was du sagst, macht völlig Sinn aus allem, was ich durchgemacht habe und was du in deinem eigenen Leben durchgemacht hast.

 

Brian Carlton: Nun, du hast deine Wahrheit und du hast an deiner Wahrheit festgehalten und du hast für deine Wahrheit gekämpft und das sind alles bewundernswerte Qualitäten an einer Person. Man kann niemanden dafür kritisieren, dass er seinen Standpunkt vertritt, besonders wenn die Art der Arbeit die du machst, so konzeptionell neu für Menschen ist. Es wird immer, wenn ich das so sagen darf, eine Sisyphusarbeit sein. Aber super, dass du dran geblieben bist, denn einer muss es ja machen.

 

Jeremy Griffith: Du hast recht. Sie sind tatsächlich total aufrichtig in dem, was sie in ihrer Verleugnung sagen. Sie wissen nicht, dass sie in Verleugnung sind.

 

Brian Carlton: Nein, das stimmt.

 

Jeremy Griffith: Also, ich bin mitfühlend, ich weiß, warum sie tun, was sie tun, aber ich muss irgendwie einen Weg durch diese Mauer der Verleugnung finden und Menschen dazu bringen, wieder einen Zugang zur Wahrheit zu bekommen. Es ist ein schwieriger, langsamer Prozess, aber ich kritisiere sie nicht mehr, in der Tat bringe ich ihnen das Verständnis. Tatsächlich wollen sie das versöhnende Verständnis des menschlichen Zustands, aber sie werden es niemals finden, sie sind zum Scheitern verurteilt, weil sie in Verleugnung leben. Man kann die Wahrheit nicht aus dem Inneren der Höhle finden.

 

Brian Carlton: Nein, das stimmt.

 

Jeremy Griffith: Ich sage, „Schaut, das ist die erlösende Wahrheit über uns Menschen, hier ist sie, sie befreit euch und gibt euch all die Dinge, die ihr wollt!“ Aber Menschen haben sich so sehr der Verleugung verschrieben, sie sind nicht empfänglich dafür. Wie das Sprichwort sagt, an der Tür eines tauben Mannes kannst du ewig klopfen. Es ist ein langsamer Prozess, wir müssen einfach geduldig sein.

 

Brian Carlton: Eine meiner Lieblingsausdrücke für eine Menge von Dingen ist, „Es ist ein Prozess, kein Ereignis“. Ich kann an nichts denken, auf das dieses Sprichwort mehr zutrifft als auf deine Arbeit. Es ist ein Prozess und weit davon entfernt irgendeine Art von Ereignis zu sein, aber für das Individuum, wenn man es kapiert, ist es ein Ereignis.

 

Jeremy Griffith: Ja.

 

Brian Carlton: Du merkst dir den Tag, du merkst dir den Teil im Buch, du merkst dir wann es passiert ist, es bleibt bei dir, es ist frisch.

 

Jeremy Griffith: Betreffend dem, wie lange es dauern wird, sagte Teilhard de Chardin einmal, „Die Wahrheit muss nur ein einziges Mal erscheinen…um es unmöglich zu machen, dass irgendetwas sie jemals davon abhalten könnte, sich universell zu verbreiten und alles hell zu erleuchten“ (Let Me Explain, 1966; Engl. Übers. René Hague et al, 1970; Dt. Übers. WTM Austria, 2019, S. 159 von 189). Und es ist wahr, es braucht nur eine kritische Masse von einflussreichen Menschen, die zusammenkommen und sagen, „Dieses Buch ist wirklich ernsthaft wichtig, es ist wirklich zur anderen Seite durchgedrungen“. Dann werden all diejenigen, die in Verleugnung leben und es nur herablassend behandeln, gezwungen nochmal nachzudenken und das ist der Punkt, an dem dieser Wechsel des Momentums eintritt. Also, das ist warum wir so einen riesigen Aufwand mit diesem Buch betreiben, um den Wechsel des Momentums herbeizurufen, um diese Basisgruppe von Menschen zu bekommen, die es geschafft haben, durch die Mauer der Verleugnung zu kommen und entdecken, wie ehrlich dieses Buch wirklich ist. Harry Prosen ist der Erste, ich meine er ist erstaunlich in der Offenesive und sagt es einfach wie es ist. Dann brauchen wir nur noch ein paar weitere Dominosteine, die genauso fallen, dann wendet sich das Blatt plötzlich und da ist eine Basis der Unterstützung. Plötzlich wird es sich bewegen, weil die Welt ist so hungrig nach etwas Wahrheit, ein paar Antworten. Sobald es da genug von einer Basis der Unterstützung gibt, wird sich das Blatt rasant wenden, weil es ist wie ein Meer von Unehrlichkeit da draußen und dieses Buch ist eine Insel der Vernunft. Und jeder sucht nach genau dieser Insel, so wie du als du 15 warst. Du hast all diese Bibliotheken durchstöbert, all diese großen Wälzer, auf der Suche nach ein paar Antworten.

 

Brian Carlton: Ich kam an den Punkt, an dem ich die Encyclopaedia Britannica gelesen habe, gelesen, wie ein Buch, von Anfang an, im Denken, die Antworten können vielleicht darin sein!

 

Jeremy Griffith: Es muss irgendwo hier drinnen sein!

 

Brian Carlton: Es ist übrigens kein Witz, ich habe das tatsächlich gemacht.

Jeremy Griffith: Ich glaube dir.

 

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Ihr könnt euch das gesamte Interview von Jeremy Griffith und Brian Carlton, in dem sie die Inhalte von FREEDOM diskutieren in Video/​F. Essay 13 anschauen. Und wie erwähnt, könnt ihr viel mehr über Resignation in Kapitel 2:2 von FREEDOM oder in F. Essay 30 lesen.

 

 

Anmerkung, Wenn ihr online seid, könnt ihr DAS Interview jedes der folgenden Freedom Essays lessen, ausdrucken, herunterladen oder anhören (als Podcast), indem ihr auf sie klicken, oder ihr könnt alle unter www.humancondition.com finden.

Welche Publikationen ins Deutsche übersetzt wurden, seht ihr, wenn ihr HIER klicken

 

 

Diese Essays wurden 2017-2021 von Jeremy Griffith, Damon Isherwood, Fiona Cullen-Ward, Brony FitzGerald und Lee Jones vom WTM Center Sydney erstellt. Alle Dreharbeiten sowie die Bearbeitung der Videos wurden von den Mitgliedern des WTM Sydney James Press und Tess Watson zwischen 2017-2021 durchgeführt. Andere Mitglieder des WTM Center Sydney sind für den Vertrieb und das Marketing der Videos/​Essays sowie für die Unterstützung der Abonnenten verantwortlich. Die deutschen Übersetungen wurden vom.